Die Moschee: Mein Zufluchtsort

Bild: Melani Sivananthan und Hana Mangold

Ich bin eine praktizierende Muslimin, was neben meinem Studium ebenfalls einen grossen Platz in meinem Leben einnimmt. Religion hat eine wichtige Funktion in meinem Alltag und verbindet mich mit meinem heiligen Ort, der Lindenrain-Moschee in Bern.

VON MELANI SIVANANTHAN UND HANA MANGOLD

Mein Name ist Ayaan und ich bin eine zwanzigjährige Studentin an einer Hochschule in Bern und arbeite nebenbei im Bereich der Pflege. Bei Familie und Freunden bin ich für meine aufgestellte, hilfsbereite und positive Art bekannt. Ich bin immer offen für Neues und liebe es, etwas über fremde Kulturen zu lernen und Kontakte mit Personen aus verschiedenen Kulturkreisen zu pflegen. Meine Eltern sind beide ursprünglich aus Somalia und muslimisch geprägt. Daher bin ich als Schweizer Muslimin aufgewachsen. Heute bezeichne ich mich als ein religiöser Mensch, der seinen Glauben praktiziert, weil mir mein Glaube sehr wichtig ist.

Den Horizont erweitern

Mein Glaube ist ein Teil von mir, ohne könnte ich nicht. Durch meinen muslimisch geprägten Hintergrund komme ich tagtäglich mit der Religion in Kontakt. Religion nimmt in meinem Leben einen grossen und wichtigen Platz ein. Egal ob mit Freundinnen oder mit der Familie, irgendwann spricht man immer über Gott und die Welt. Egal ob Islam, Christentum, Judentum, Buddhismus, Hinduismus und welche Religionen sonst noch vertreten sind, es ergeben sich immer spannende und bereichernde Diskussionen, welche den eigenen Horizont erweitern.

Meine Faszination für den Koran

Näheren Kontakt zu meiner Religion, dem Islam, habe ich persönlich auch oft durch die heiligen Bücher. Beim Lesen des Korans habe ich auch immer aussergewöhnlich faszinierende Erlebnisse. Was mich immer wieder umhaut sind Informationen, welche heutzutage wissenschaftlich bewiesen sind, aber diese Informationen sind im Koran bereits vor 1400 Jahren aufgeschrieben worden.

Zum Beispiel wird der Prozess der Entwicklung eines Embryos, während der Schwangerschaft, im Koran detailliert dargelegt. Die Beschreibungen ähneln Texten, welche aus heutigen Biologiebüchern stammen könnten. Dann frage ich mich, wie man dies anhand des damaligen medizinischen Wissensstands überhaupt schon erahnen konnte. Aber auch andere Ereignisse im Alltag beeindrucken mich oft und lassen mich an Wunder Glauben, wie zum Beispiel Geschichten von Menschen, welche schwerste Unfälle erlitten haben und trotzdem überlebt haben. So viele Dinge sind einfach unerklärlich.

Zuflucht zu Allah an heiligen Orten

Meine Religion ist mir heilig. Dadurch verbindet sie mich automatisch mit Orten, welchen ich ebenfalls eine Heiligkeit zuspreche. Einerseits definiere ich einen Ort als heilig, wenn er eine religiös-historische Bedeutung besitzt. Zum Beispiel ein Ort, wo sich besondere Geschehnisse ereignet haben, wie die Geburt oder der Tod eines Propheten. Andererseits sind heilige Orte für mich Orte, wo man seinen Glauben praktiziert. Gebetsorte wie Moscheen, Synagogen und Tempel, aber auch Orte, welche als Pilgerzielen dienen, wie Jerusalem oder Mekka, sind für viele religiöse Menschen heilig.

Heilige Orte sind Orte, wo man je nach Auffassung, Gott oder Göttern dient und sich seinem Glauben hingibt. Aus diesem Grund besitze ich auch mehrere heilige Orte. Sehr heilig sind mir zum Beispiel Mekka, Medina und Moscheen aus der ganzen Welt. Aber genauso mein Zimmer zuhause ist ein heiliger Ort für mich, wo ich den Islam für mich praktiziere.

«Kurz gefasst ist mein heiliger Ort überall dort, wo ich meinen Gebetsteppich hinlegen und mich Gott widmen kann.»

Ayaan

Müsste ich mich aber für einen bestimmten Ort entscheiden, würde ich mich für die Lindenrain-Moschee, oder auch bekannt als das Islamische Zentrum Bern, entscheiden. In der Lindenrain-Moschee bin ich aufgewachsen und kenne dort viele Leute. Jeder begrüsst Familienmitglieder, Freunde und auch Menschen, welche man nur flüchtig von der Moschee kennt, immer herzlich mit den Worten «Salam Aleykum». Dies bedeutet aus dem arabischen übersetzt: «Der Friede sei mit dir».

Der Islam ist eine Religion des Friedens und der Nächstenliebe. In der Gemeinschaft fühlen wir uns alle wie eine Einheit. Egal welche Hautfarbe, welches Geschlecht, oder welche Herkunft man hat. Was ich an meinem heiligen Ort so schätze ist, wie divers und wie viele Menschen, mit verschiedensten Hintergründen, zusammenkommen und am selben Ort ihre Ruhe und Frieden finden können.

«Mein heiliger Ort und ich teilen seit meiner Kindheit meine Höhe- und Tiefpunkte, und er hat mich zu dem Menschen geformt, der ich heute bin.»

Ayaan

Ich gehe sehr gerne in die Moschee beten, weil es ein sehr schönes Gefühl ist, diesen heiligen Ort, den man so schätzt, mit anderen teilen zu können. Die Moschee ist nicht sehr gross und von aussen gar nicht als Moschee erkennbar. Eigentlich ist es nur ein gemieteter Raum, welcher Innen aber wie eine Moschee gestaltet ist. Der Raum ist in einen vorderen Bereich für die Männer und einen abgetrennten hinteren Bereich für die Frauen aufgeteilt. Der ganze Boden ist mit einem riesigen dunkelblauen Gebetsteppich bedeckt und die Wände sind mit wunderschönen Kalligraphen geschmückt. Die Moschee ist aber sehr schlicht gehalten.

Meinen heiligen Ort besuche ich meistens einmal im Monat zum Beten. Die täglichen Pflichtgebete verrichte ich immer, aber wenn ich Stress, Kummer, Sorgen, Freude oder etwas zu feiern habe oder auch Gott einfach nur meine Dankbarkeit zeigen möchte, verrichte ich zusätzliche Gebete, unter anderem auch in der Moschee. Egal ob in schönen oder schlechten Momenten, ich fühle mich im Gebet immer sicher und geborgen. Mein heiliger Ort teilt dadurch seit meiner Kindheit meine Höhe- und Tiefpunkte mit mir. Dieser Ort hat mich zu dem Menschen geformt, der ich heute bin.

Das unbeschreibliche Gefühl in einer Moschee

Mein heiliger Ort ist dadurch definiert, dass ich mich an diesem Ort am meisten mit meiner Religion und Gott befassen kann. Das Besondere daran ist, dass ich meine Ruhe habe. Ich kann mich zurückziehen, kann mich vom Rest der Welt abschotten und mich auf Gott konzentrieren. Die Atmosphäre in der Moschee ist mir sehr vertraut und ich fühle mich geborgen. Die Umgebung und die Atmosphäre machen meiner Meinung nach sehr viel aus, um sich seiner Spiritualität zu widmen.

Zwar kann jeder wann und wo er will sein Gebet verrichten, doch die Stimmung in einer Moschee bleibt etwas ganz Einzigartiges. Man wird nicht abgelenkt und kann sich auf sich selbst und Gott konzentrieren. Dies ist für mich ein unbeschreibliches Gefühl. Ich habe einen grossen Respekt vor meinem heiligen Ort und könnte deshalb zum Beispiel nie leicht bekleidet oder mit Schuhen die Moschee betreten. Aber freiwillig die Schuhe anbehalten, würde man schon nur wegen dem flauschigen Teppich von alleine gar nicht erst wollen.

Einen Ort, wo man sich sicher und geborgen fühlt

Heilige Orte sind für viele Menschen wichtig. Für mich trifft dies ebenfalls zu. Für mich bedeutet einen heiligen Ort zu haben, einen Ort zu besitzen wo man immer willkommen ist und sich zurückziehen kann. Ich kann an meinem heiligen Ort mit meinen Gefühlen, Gedanken und Emotionen alleine sein und ihnen freien Lauf lassen. Es gibt aber auch Menschen, welche keine heiligen Orte besitzen. Ein heiliger Ort muss aber auch nicht unbedingt etwas mit Religion zu tun haben.

Ein Atheist könnte genauso einen heiligen Ort besitzen wie eine religiöse Person. Zum Beispiel könnte der heilige Ort eines Musikfans dort sein, wo er sein erstes ACDC Konzert miterlebt hat oder wo man den Freund zum ersten Mal getroffen hat. Orte, mit welchen man ein besonderes Ereignis verbindet, werden dadurch zu heiligen Orten. Wenn ich aber so darüber nachdenke, habe ich das Gefühl, dass jeder und jede einen heiligen Ort besitzt, aber es ihm oder ihr gar nicht bewusst ist.

1 Antwort

  1. Kirusigaa sagt:

    Liebe Melani, Liebe Hana
    Hätte ich nur das Bild gesehen, wäre ich wahrscheinlich nicht darauf gekommen, dass es sich hier um eine Moschee handelt. Es ist schön zu sehen, wie sich Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen versammeln, um gemeinsam zu beten. Weil wir mit der Klasse diesen Ort schon besucht haben, fiel es mir auch leicht, mich in die Person hinein zu versetzen. Mich würde noch interessieren was für sie diese Moschee von anderen Moscheen unterscheidet?
    Liebe Grüsse, Kirusigaa

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