Kuscheltier Nili

Bild: Farhad Zakhil

Nili ist ein sehr bedeutender Gegenstand in Stefanies Leben. Er war an guten und schlechten Momenten bei ihr. Seine Anwesenheit bewirkte, dass es ihr besser ging und dass sie sich glücklich fühlte.

von Fahrhad Zakhil

Stefanie

Stefanie ist 16 Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in einem kleinen Appartement in Belp, sie hat guten Kontakt zu ihrem Vater und eine Halbschwester, die in Tschechien lebt. Zu ihr hat sie wegen der Sprachbarriere nicht so oft Kontakt. In ihrer Freizeit unternimmt sie oft vieles mit ihrem Kolleg*innen und zeichnet gerne. Das ist auch der Grund, dass sie zur Zeit eine Ausbildung als Malerin absolviert. Ich kenne Stefanie seit der Grundschule. Stefanie und ich waren einige Monate gemeinsam in der sechsten Klasse. Danach gingen wir zwar in die gleiche Oberstufe, aber nicht in dieselbe Klasse. Doch wir verloren unseren Kontakt nicht und sind bis heute gut befreundet. 

Religion

Im Allgemeinen kann man sagen, dass Stefanie nicht religiös ist und nicht an einen Gott glaubt. Dennoch hat sie an den traditionellen katholischen Ritualen teilgenommen, wie beispielweise die Kommunion und die Firmung. Dies ist ein Punkt, den ich sehr interessant finde. Was heisst es genau, religiös zu sein? Reicht es, wenn man nicht an einen Gott glaubt, aber dennoch eine Beziehung zu der Religion hat, und nur diese Tätigkeiten ausführt, die fast zu den gesellschaftlichen Traditionen gehören?

«Ich glaube nicht an Gott und habe auch nie, aber ich bin katholisch.»

Stefanie

Während des Interviews erwähnt Stefanie mehrmals, dass sie nicht religiös, aber katholisch ist. «Meine Mutter ist katholisch.» Sie selbst habe sich nie mit Religion auseinandergesetzt und verfügt über wenig Wissen und Beweise über die Religionen sowie die Existenz Gottes. Zudem wurde sie zu wenig mit der religiösen Welt konfrontiert. Stefanie selbst hat nie irgendwelche religiösen Gegenstände gekauft, und wenn, dann nur weil es ihr gefallen hat. Doch an ihrer Firmung hat sie Schmuck geschenkt bekommen, nämlich eine Kreuz-Kette und mehrere Armbänder. «Für mich ist das nur ein Kreuz und ich trage es fast nie.»

Auf meine Frage, ob das Glück von der Religion abhängt, kann Stefanie sich nicht ganz für Ja oder Nein entscheiden. Sie meint, «es gibt Menschen, die beten oder Rituale ausführen, und denen es danach besser geht. Oder wenn es jemandem nicht gut geht, dann betet er und dies hilft seinem Zustand. Aber es gibt Menschen, die unter Glück ganz etwas anderes verstehen. Zum Beispiel Gesundheit, Familie, Geld und dies hängt dann nicht direkt von der Religion ab.» Da kann ich mich nur anschliessen, denn Glück an sich kann ganz unterschiedlich beschrieben werden. Aber ob das Glück von der Religion abhängt, ist mir selbst fraglich.

Nili

In diesem Text geht es vor allem um Nili. Nili ist ein weisses Nilpferd, daher auch der Name. Nili ist ein Kuscheltier, etwa 45cm gross. Nili ist Stefanies Kindheitsbegleiter, Bruder und bester Freund. Stefanie bekam Nili von ihrer Mutter, als sie ca. drei Monate alt war. Damals schenkte ihre Mutter ihr zwei Kuscheltiere, das eine hiess Nili und das andere Phili. Als kleines Kind mochte sie Phili mehr, da er etwas weiblicher aussah und die Farbe rosa hatte. Daher hatte Stefanie Phili lieber, aber als sie vier Jahre alt war, vergass sie Phili im Einkaufszentrum. Dies belastete sie damals als kleines Kind sehr, jedoch hatte sie noch Nili und fing an, mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Nili ist ganz weiss, und nicht mehr so flauschig wie früher. Für mich sieht er nicht wie ein Nilpferd aus, sondern eher wie ein Gemisch aus Bär und Hund. Seine Ausstattung und Farbe ähneln nicht einem Nilpferd. Vielleicht sah er vor 16 Jahren ein Nilpferd aus. Doch Stefanie ist immer noch fest der Überzeugung, dass Nili wie ein Nilpferd aussieht: «Er hat kurze Beine und das Gesicht wie ein Nilpferd.»

«Als ich klein war, habe ich oft mit Nili gesprochen. Ich hatte das Gefühl, dass er mir zuhört und das jemand für mich da ist, dem ich vertrauen kann.»

Stefanie

Stefanie hatte keine Geschwister, mit denen sie die Zeit verbringen oder spielen konnte. Nili spielte in ihrem Kindheitsleben eine besondere Rolle. «Er war immer für mich da. Während meiner Gespräche mit Nili ging es mir immer besser. Er motivierte mich, immer weiterzumachen und in schwierigen Situationen nicht aufzugeben. Nili war in guten und schlechten Tagen bei mir. Er war immer auf meiner Seite. Egal wohin ich ging, nahm ich ihn mit. Was mich immer glücklich machte, war seine Anwesenheit.»

«Nili machte mich glücklich und mir ging es gut, wenn er bei mir war.»

Stefanie

Stefanie hatte als kleines Kind eine sehr starke Bindung zu Nili. Als sie klein war, konnte Stefanie ohne Nili nicht einschlafen. In der Nacht brauchte sie Nili unbedingt in ihren Armen. Ohne Nili ging es ihr in der Nacht sehr schlecht und sie hatte Angst. «Wenn er in meinen Armen war, hatte ich das Gefühl der Sicherheit. Ein Gefühl, das ich nicht allein bin. Das ist für mich eine Art Glück. Das kann man damit vergleichen, dass viele Menschen unter Glück das Zusammensein in der Familie verstehen. Ich selbst verstehe unter Glück den Besitz von etwas, das gut tut und glücklich macht.»

Heute, mit 16 Jahren, fühlt sich Stefanie erwachsen und meint, dass Nili in ihrer Kindheit eine wichtigere Rolle gespielt hat als heute. Nili bedeutet ihr zwar immer noch viel, aber es ist nicht mehr so, dass sie ohne ihn nicht einschlafen kann. Es würde ihr einfach helfen, besser einzuschlafen. 

2 Antworten

  1. Kaltrina sagt:

    Ich finde deinen Text sehr spannend und gut geschrieben. Man merkt die Auseinandersetzung mit dem Glücksbringer und das du dir Mühe gegeben hast.

  2. Julia Sutter sagt:

    Mir hat die Auseinandersetzung mit der Frage „Was heisst es, religiös zu sein“ sehr gefallen. Stefanie hat eine sehr interesannte Ansicht auf dieses Thema, welche ich sehr spannend fand. Allgemein ein sehr gelungener Text.

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