Mosaik aus Glücksbringern

Bild: Amina Hubacher

Glücksbringer sind oft unsere Wegbegleiter und sollen uns helfen, Prüfungen oder Herausforderungen gut zu überstehen. Für jede Person haben sie dabei eine andere Bedeutung und unterscheiden sich in den verschiedensten Formen und Farben. Die 18-jährige Fiona ist im Besitz von gleich mehreren Glücksbringern, die für sie als eine Einheit funktionieren. 

Von Amina Hubacher

Glücksbringer

Ich bin Fiona, 18 Jahre alt und gehe in die Grafikfachklasse in Biel. Ich habe verschiedene Glücksbringer, die wie ein Mosaikbild funktionieren. Viele meiner Glücksbringer assoziiere ich mit einer bestimmten Person, die mir den jeweiligen Gegenstand schenkte. Ich verbinde daher auch jeweils eine andere Kraft mit ihm. Alle funktionieren jedoch als Einheit, als ein einziger Glücksbringer, der aus mehreren Objekten besteht.

Das eine ist ein Kettchen aus Sizilien mit einer Chilischote als Anhänger, das ich von einer guten Freundin geschenkt bekommen habe. Es ist ein italienischer Glücksbringer und wird unter anderem auch mit Traditionen verbunden. Denn in Italien gelten Chili-Schoten als ein Talisman gegen «den bösen Blick». Die Farbe Rot steht dabei für die Fruchtbarkeit sowie auch für Blut und Leben und ist damit verbunden mit der Macht des Lebens, was auf das Mittelalter zurückgeht. Damals trugen schwangere Frauen den Talisman, um sich vor bösen Blicken zu schützen. Heutzutage kann jedoch jeder und jede das sogenannte «curniciello» tragen. Wichtig dabei ist, dass der Talisman einem geschenkt werden muss, so dass er seine Funktion erfüllen kann – sonst bringt er Unglück.

Die anderen Glücksbringer sind Edelsteine, die ich einerseits geschenkt bekommen und mir andererseits selbst gekauft habe. Diejenigen, die ich mir selbst gekauft habe, sind meine Lieblingssteine; ein Labradorit und ein Mondstein. Für mich haben sie eher eine spirituelle Bedeutung und erzählen ihre eigene Geschichte und Reise durch ihr Aussehen, was ich auch gerade so faszinierend an ihnen finde. Ich finde, man kann sich genauso selbst einen Glücksbringer kaufen wie einen geschenkt bekommen. Generell bin ich der Meinung, dass die Gesellschaft darauf verbissen ist, dass ein Glücksbringer geschenkt werden muss, um Glück zu bringen, was für mich ein völliger Schwachsinn ist, der nur mit Aberglauben zu tun hat. 

«Für mich ist nicht der Gegenstand an sich das Auschlaggebende, sondern vielmehr der Glaube an seine Wirkung und die Verbindung zu der Person, die mir den Glücksbringer geschenkt hat.» 

Fiona

Zusammen mit dem Tigerauge, den anderen Edelsteinen und dem sizilianischen Glücksbringer bilden sie einen ganzen Glücksbringer für mich. Sie funktionieren wie ein Mosaikbild. Dabei habe ich nicht jedem einzelnen Glücksbringer eine spezifische Funktion zugeordnet, sondern sie fungieren für mich als eine Einheit, so dass nicht nur ein Objekt Glück bringt, sondern die Gesamtheit meiner Glücksbringer.

Meine Glücksbringer bewahre in einem kleinen grünen Säckchen auf, verziert mit Blumen und einem orientalischen Muster. Dieses Säckchen ist wiederum in einer Box. Dementsprechend trage ich meine Glücksbringer nur selten bei mir. Ich denke auch nicht aktiv daran, sondern weiss einfach, dass sie da sind, falls ich sie benötige. Infolgedessen nehme ich meinen Glücksbringer auch nicht immer mit, wenn ich Glück brauche. Klar gibt es auch Momente, in denen ich sie wirklich bei mir habe, doch meistens denke ich einfach an sie, und sie bringen mir dann auch so Glück. 

Placebo-Effekt 

Es fing nicht damit an, dass ich mir sagte, dass ich zwingend einen Glücksbringer brauchen würde für eine wichtige Prüfung oder sonst etwas, sondern es entstand eher per Zufall. Meine Mutter schenkte mir, als ich ungefähr fünf Jahre alt war, meinen ersten Glücksbringer: das Tigerauge, welches im Licht bräunlich schimmert. Damals glaubte ich noch daran, dass der Stein magische Kräfte besässe, doch mit der Zeit begriff ich, dass der Glücksbringer eigentlich nur einen Placebo-Effekt hat. Trotzdem ist das Tigerauge für mich immer noch etwas Schönes und es gibt mir Halt, wenn ich Glück gut gebrauchen kann. 

Meine Glücksbringer brauche ich eigentlich nur für besondere Momente, wie zum Beispiel für die Prüfung zur Aufnahme an die Grafikschule, was in gewisser Weise mein Leben veränderte. Damit mein Glücksbringer mir Glück bringt, fokussiere ich mich auf mein Ziel oder meinen Wunsch und konzentriere mich auf den entscheidenden Moment. Wichtig ist dabei für mich, dass ich fest an die Wirksamkeit des Glücksbringers glaube. 

Zwei Arten von Glück

Glück ist für mich, wenn das, was ich mir gewünscht habe, in Erfüllung geht. Wie zum Beispiel eine gut absolvierte Prüfung. Andererseits gibt es auch eine andere Art von Glück, wie das Glück in der Liebe oder eine gute Gesundheit. Da ich aber meine Glücksbringer nur für spezielle Momente brauche, ist Glück für mich damit verbunden, etwas zu erreichen, was ich mir als Ziel gesetzt habe.

Glücksbringer und Religion 

Mein Glücksbringer hat für mich absolut nichts mit Religion zu tun und ich könnte meinen Umgang mit Glücksbringern auch nicht als meine Religion definieren. Es ist schon so, dass Glücksbringer mit Traditionen oder Religion in Verbindung gebracht werden. Glücksbringer gibt es ja in jeder Religion. Da meine Glücksbringer jedoch keiner Religion angehören, verbinde ich sie auch nicht mit einer. Vielmehr glaube ich an die Kraft des Gegenstandes, den Placebo-Effekt, dass ein Gegenstand durch den alleinigen Glauben wirklich Glück bringen kann und dadurch ein Wunsch in Erfüllung gehen kann. Durch den Effekt des Glaubens an die Kraft wird man bestärkt und glaubt noch stärker an sich und sein Können und hat somit auch einen festeren Halt.

Für mich persönlich gibt es einen grossen Unterschied zwischen einem Glücksbringer und einem Gegenstand, der mich vor etwas schützen kann. Manche vereinen es in einem Gegenstand, wie z.B. im Islam die Hand der Fatima. Ich habe Glücksbringer und Gegenstände, die mich schützen. Für mich sind Glücksbringer jedoch wichtiger als die Schutzfunktion. Ausserdem denke ich, dass Gegenstände, die Schutz bringen, viel mehr mit Religionen zu tun haben, als Glücksbringer, der als solcher für mich eher mit Traditionen als mit Religionen verbunden ist. Ich glaube nicht an die alleinige Kraft des Glückbringers, dass sie eine Kraft an sich haben, der meine Wünsche in Erfüllung gehen lassen kann, dafür bin ich ein viel zu pragmatischer Mensch, der eigentlich nicht abergläubisch ist. Ich glaube vielmehr daran, dass ich dadurch mehr Vertrauen in mich selbst habe, dadurch stärker an mich glaube und somit auch mehr Sicherheit habe. 

2 Antworten

  1. Yael sagt:

    Besonders am Porträt gefällt mir, dass neue Aspekte aufgezeigt werden. Es ist interessant zu sehen, dass es viele verschiedene Interpretationen von Glücksbringern gibt.
    Toll gemacht!

  2. Johanna sagt:

    Ich finde es sehr interessant, dass eine Person mehrere Gegenstände zu einem Glücksbringer verbinden kann. Das Portrait ist sehr tiefgründig und schön geschrieben:)

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