Manche Dinge haben eine Seele

Bild: Anina Janett

Ich bin religiös und glaube an Gott. Ob ich aber wirklich an Glück glaube, ist eine andere Frage. Ich denke schon, dass man an Glück glauben kann, was man aber in Grenzen halten muss. Einen Glücksbringer besitze ich zwar, aber auch einen Verstand, den ich nutzen muss.

von Anina Janett

Ich heisse Izabel, bin 17 Jahre alt und wohne in Bern. Was mich auszeichnet, ist meine Offenheit, Toleranz und Vertrauenswürdigkeit. Meine Schwester und ich sind zusammen in der Schweiz aufgewachsen, aber meine Eltern sind ursprünglich aus Kroatien. Da meine Eltern aus einem sehr religiösen Land stammen, ist unsere Familie gläubig und der Glaube gehört zum Alltag. Wir sind alle römisch-katholisch. Ich selbst bin getauft und hatte bereits meine Kommunion und Firmung. Ich kann also von mir selbst sagen, dass ich an Gott glaube.

Vom Zweifeln zum Vertrauen

Eigentlich hatte ich kein Interesse daran, einen Glücksbringer zu haben. Als ich noch jünger war, hatte ich schon einmal einen anderen Glücksbringer, mit dem ich aber nicht so gute Erfahrungen gemacht habe. Es war eine Halskette, die ich von meinem Onkel geschenkt bekam. Ich trug die Kette jeden Tag und glaubte daran, dass sie mir vor allem in der Schule bei Prüfungen helfen würde. Da ich immer gute Noten schrieb, dachte ich es liege am Glücksbringer, bis ich einige schlechten Noten nacheinander schrieb. Seitdem schreckte mich diese ganze Sache mit den Glücksbringern ab und ich hielt mich davon fern. Im Nachhinein weiss ich schon, dass die schlechten Noten nicht durch den Glücksbringer beeinflusst worden waren, aber so weit habe ich damals nicht überlegt. Nach dieser Erfahrung habe ich dann eingesehen, dass ich mein ganzes Glück nicht an einen Gegenstand aufhängen darf und es davon abhngig machen. Später kam ich von diesem Gedanken weg, dass nur diese Kette Glück bringen sollte und bin zum Schluss gekommen, dass ein Glücksbringer mehr ein Plus, ein zusätzliches Glück darstellt. 

«Ich wollte mich nicht an einen Gegenstand klammern und mein Glück davon abhängig machen.»

Izabel

Bei meinem jetzigen Glücksbringer sah die Situation anders aus, denn diesen Engel bekam ich von meiner grossen Schwester. Sie gab ihn mir als Glücksbringer auf den Weg, um mir während meiner Schulzeit Glück, Gesundheit und das Gefühl von Sicherheit zu geben. Meine Schwester liegt mir sehr am Herzen, weshalb ich sie auch oft vermisse und den Engel manchmal als meine Schwester wahrnehme. Ich habe dann das Gefühl, dass meine Schwester mich begleitet und bei mir ist, weil ich sie nicht jeden Tag sehen kann. Der Engel wurde also deshalb zu meinem Glücksbringer, weil er mir von jemand Besonderem geschenkt wurde. Ich würde nämlich nicht von mir aus einen Gegenstand nehmen und als meinen Glücksbringer bestimmen. Es hat damals einfach gepasst, dass es ein Geschenk war, und es sich so angefühlt hat, als ob der Glücksbringer jetzt mein wäre, als hätte er den Weg zu mir gefunden oder umgekehrt.

Kleiner Gegenstand, grosse Bedeutung

Mein Glücksbringer ist ein simpler Schlüsselanhänger, den ich allerdings nicht als solchen verwende, weil ich es nicht für geeignet halten würde. Ich bewahre ihn deshalb in meiner Handtasche auf, die ich überall mitnehme. Die Figur, die daran hängt, ist ein kleiner Engel. Er hat gepunktete, dunkel-blaue Flügel, grasgrüne Schuhe und ein blau-weiss gestreiftes Oberteil. Er sieht ein bisschen gebraucht aus, was daran liegt, dass ich ihn eben überall und immer mitnehme. Ich finde, dass er mit seinem abgenutzten Aussehen beweist, dass es ihn braucht, mir also Glück bringt. Der Engel hält in seinen gestreckten Armen ein kleines rotes Herz, was ich als Liebe oder Zuneigung, die er mir geben will, empfinde. Mit seinem Lächeln im Gesicht lässt er vermuten, dass er ein glücklicher Engel ist, der positive Energie ausstrahlt. Ich nehme meinen Engel nicht als männlich oder weiblich wahr, denn für mich ist er geschlechtsneutral. Seine dunkelblauen Flügel geben mir zudem noch das Gefühl von Sicherheit, als würden sie wie eine Art Schutzschild um mich bilden.

Verstand vor Glauben?

Wenn ich Angst oder Unsicherheit verspüre, wie beispielsweise vor einer Prüfung, nehme ich meinen Engel in meine Hand und schaue ihn an. Das gibt mir die Bestätigung, dass alles gut wird, wie wenn der Engel zu mir sprechen würde. Ob mir jetzt dieser Glücksbringer wirklich Glück bringt, kann ich nicht sagen. Weil wir Menschen aber einen Verstand haben, bin ich der Meinung, dass man sich nicht komplett auf einen Glücksbringer verlassen darf. Man kann ja auch nicht sagen, man springt aus dem Fenster und es wird einem nichts passieren, weil man ja einen Glücksbringer hat. Ich will damit sagen, dass mein Glücksbringer etwas ist, das mir zusätzlich Halt gibt, mein Selbstvertrauen stärkt und mir zusätzliches Glück gibt. Ich kann mir also schon vorstellen, dass er mir Glück bringen kann.

«Nur weil ich einen Glücksbringer habe, heisst das nicht, dass ich mich zu 100% darauf verlasse, denn ich habe auch einen Verstand, der mir hilft.»

Izabel

Ein sicherer Ort für uns beide

Mein Glücksbringer hat mich schon oft begleitet und unterstützt: bei wichtigen Prüfungen, wenn ich unterwegs bin, aber auch bei Arztterminen oder in Bezug auf meinen Gesundheitszustand. Wenn ich zuhause bin, brauche ich den Glücksbringer eigentlich nicht, weil ich weiss, dass ich hier geschützt bin und diese Sicherheit auch spüre. Allerdings hatte ich noch nie etwas erlebt, von dem ich behaupten kann, dass mein Glücksbringer der Ursprung dafür war, dass alles gut gelaufen ist. Er war aber immer, wie ein Plus. Damit meine ich, dass er wahrscheinlich unterstützt hat, dass alles gut gelaufen ist.

Der omnipräsente Begleiter

Einen Glücksbringer zu haben, bedeutet für mich im Allgemeinen, einen Gegenstand oder etwas zu besitzen, das mir Glück bringt, mir Sicherheit gibt und mich im Alltag begleitet und beschützt. Ich finde auch, dass ein Glücksbringer nicht etwas absolut Privates ist, aber man sollte ihn trotzdem nicht zu öffentlich preisgeben. Dies tönt ein bisschen abergläubisch, aber wenn ich jetzt jedem meinen Glücksbringer zeigen würde, hätte ich Angst, dass man mir Pech wünscht, ihn mir klaut oder versucht, dieses Glück zu missbrauchen. 

Was aber mein persönlicher Glücksbringer für mich bedeutet, ist, dass er wie ein Begleiter an meiner Seite ist. Dass er die Form eines Engels hat, gibt mir auch das Gefühl, dass er auf mich schaut und mich beschützt, wie ein Engel im Himmel. Das kommt davon, dass ich das gleiche bei meiner Schwester verspüre. Sie ist älter und hat manchmal diese Mutterfunktion; sie wirkt auf mich wie eine Beschützerin und schaut zu mir.

2 Antworten

  1. Noémie sagt:

    Ich finde es sehr spannend, dass die Schutzfunktion mit der Schwester verbunden wurde! Auch interessant finde ich, dass Izabel einen Glückbringer besitzt, obwohl sie ihm nicht die volle Macht zuschreibt.

  2. Meret sagt:

    Liebe Anina, ich finde es spannend, wie du geschrieben hast, wie zwar Izabel in gewisser Weise an den Glücksbringer glaubt, aber das Ganze trotzdem noch mit Verstand betrachtet

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